Sammeln und Wachsen

Zwei junge Künstler zeigen im September in der Amthof-Galerie Bad Camberg Ausschnitte aus ihren Werken. Von Sonntag, 6. September, an sind auf jeweils einer Etage der Galerie Arbeiten von Jannis Winckler und Max Buscio zu sehen. Mit „Sammeln und Wachsen“ haben sie ihre Ausstellung überschrieben.

Max Buscio ist der Sammler in diesem Zweiklang. Viele seiner Arbeiten erinnern an Seiten aus dem Album eines Sammlers – vielleicht von Briefmarken, Bierdeckeln oder Streichholzbriefchen – oder auch an einen Setzkasten, wie ihn früher die Drucker verwendeten. Beim näheren Hinsehen werden jedoch die versteckten Feinheiten sichtbar: an Architektur oder Ingenieurszeichnungen erinnernde Abgrenzungen zwischen den kleinen Motiven, optische Tricks oder auch winzige Details, die man erst mit der Nase nahe an den Zeichnungen erkennen kann.

Setzkasten Scifi - Max Buscio

Unumwunden räumt Buscio ein, dass die langjährige Faszination für Wimmelbilder seinen Stil geprägt hat. Ebenso beansprucht er eine ausgeprägte Vorliebe für Ordnung. Aus dem Widerspruch der beiden Leidenschaften hat er die künstlerische Konsequenz gezogen, auf Papier das zu ordnen, was im echten Leben zu komplex und flüchtig ist, um geordnet zu werden. Als Architekt mit Schwerpunkt auf Visualisierung und Layout für Wettbewerbe hat seine Zeichenkunst auch eine berufliche Komponente. Seine Werke entstehen auf schwerem Papier mit hauchdünnen Finelinern und Layoutmarkern. Sie laden dazu ein, den Blick auf ihrer begrenzten Fläche schweifen zu lassen, Zusammenhänge zu entdecken und das Unübersichtliche neu zu lesen.

Monster blau - Max Buscio
Portal - Jannis Winckler

In der Acrylmalerei von Jannis Winckler tritt das titelgebende Wachstum vordergründig durch die häufigen Natur- und vor allem Waldmotive zutage. Aber der Künstler stellt auch die Frage, wie weit moderne Menschen der Natur entwachsen sind oder es zu sein glauben. „Im Bestreben zu überleben und uns auszubreiten haben wir mehr Kontrolle über die Natur erlangt, als jedes andere Lebewesen“, sagt Winckler. „Ich frage mich, ob unsere Art zu wachsen uns von der Natur entfernen kann. Was ist eigentlich unsere Natur und hat sie sich verändert?“ Seine Bilder möchte er aber nicht als Antworten verstanden wissen, sondern als Teil der Frage.

Die Verschmelzung - Jannis Winckler

In Bad Camberg wird er vor allem seine Serie „Freunde im Wald“ zeigen: Im zurückliegenden Jahr begann er, seine Freunde nackt, wie die Natur sie schuf, im Wald zu malen. Weitere Serien wie „Erscheinungen“ und „Portale“ beschäftigen sich mit dem Hang dazu, Menschlichkeit auf Dinge zu projizieren. Zu sehen sind auch Arbeiten aus der neuesten Serie „Scherben“, bei der Ton- und Glasscherben als Malgrund dienen. An diesem Punkt ist auch Winckler Sammler: Die Scherben stammen von Orten, zu denen er eine Verbindung spürt. Die meisten kommen aus dem Kerkerbach, der unterhalb seines Heimatdorfes Hofen fließt.

Zur Vernissage lädt die Amthof-Galerie für Sonntag, 6. September, 11 Uhr, ein. Die Ausstellung ist bis zum 27. September jeweils sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.