Wahrnehmung und Wirklichkeit, Utopie und Verfremdung – das sind die Themenfelder der Gemeinschaftsausstellung von Miriam Bräutigam und Michael Spengler, die ab Sonntag, 1. November, in der Amthof-Galerie Bad Camberg zu sehen ist. Beide Kunstschaffende fordern unsere gewohnte Wahrnehmung bewusst heraus.
Miriam Bräutigam arbeitet interdisziplinär, basierend auf einem erweiterten Kunstbegriff. Ihr Spektrum umfasst verschiedene Techniken wie Fotografie, Malerei und Text/Asemic Writing, die sie einzeln oder in Kombination für ihre Werkserien einsetzt. Je nach Konzept entstehen daraus zweidimensionale Mixed-Media-Arbeiten, Reliefs, Objekte oder Künstlerbücher. Sie benutzt alltägliche Fragmente, isoliert diese radikal aus ihrem Kontext und verfremdet sie. Ihre Arbeiten leben von einem Wechselspiel zwischen vertrauter Form und reiner Abstraktion – eine visuelle Irritation, die gewohnte Sehgewohnheiten durchbricht und den Betrachter einlädt, den eigenen Standpunkt im Dazwischen von Erkennen und Nicht-Erkennen neu zu hinterfragen.
Michael Spengler entwirft mit seiner Serie „Am Strand der Winde“ die Vorstellung eines weniger beschwerten Lebens. Schwebende Häuser, ungewöhnliche Fluggeräte und Menschen auf Stelzen bevölkern eine Inselwelt, deren Bewohner Wind und besondere Naturbedingungen zu nutzen verstehen. Die Leichtigkeit dieser Welt ist jedoch nicht ungetrübt: Gefährdung und Verletzlichkeit bleiben gegenwärtig. So entsteht ein bildhafter Gegenentwurf zu einer von Druck, Zwang und Verdichtung geprägten Wirklichkeit. Seit drei Jahren entwickelt Spengler die fortlaufende Serie mit Hilfe neuronaler Netzwerke. Die Anmutung kolorierter Kaltnadelradierungen verleiht den fantastischen Szenen eine eigentümliche Vertrautheit und lädt dazu ein, ihre Möglichkeiten und Widersprüche zu erkunden.
„Zwischen Welten“ gibt beiden künstlerischen Positionen einen gemeinsamen thematischen Rahmen. Miriam Bräutigam macht das Vertraute fremd und fordert dazu auf, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen. Michael Spengler lässt das Unmögliche als einen denkbaren Lebensraum erscheinen.
Zur Vernissage am Sonntag, 1. November um 11 Uhr lädt die Amthof-Galerie Bad Camberg herzlich ein. Die Ausstellung ist bis einschließlich 29. November jeweils sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.